Der Fluss des Lebens
- Ananda

- 15. Juli
- 3 Min. Lesezeit
10. Juli 2026

An einem fließenden Fluss zu sitzen, kann ein wundervolles Gefühl von Weite und Frieden hervorrufen. Kürzlich waren wir in Minneapolis, um Familienmitglieder zu besuchen. Ihr Haus liegt am Ufer des Mississippi, unweit seiner Quelle. Der Fluss ist dort wunderschön, sein Wasser rein, und prächtige Weißkopfseeadler und Blaureiher nisten an seinen Ufern.
Wir saßen jeden Tag in den frühen Morgenstunden am Fluss, um zu meditieren. Dabei begannen wir zu spüren, dass der Mississippi ein bewusstes Wesen ist, das uns viel zu lehren hat. Es erinnerte uns an eine ähnliche Erfahrung, die wir einige Jahre zuvor in einem Gästehaus am Ganges oberhalb von Rishikesh gemacht hatten. An beiden Orten sprachen die Flüsse zu uns, als wir unseren Geist zur Ruhe brachten.
Zunächst flüsterten sie über die zeitlose Natur der Realität. Äußerlich mag die Welt in einem endlosen Kreislauf von Gut und Schlecht, Frieden und Unruhe gefangen erscheinen. Doch allem liegt eine unveränderliche, ewige Gegenwart zugrunde, die unberührt weiterfließt. Sie ist unpersönlich und doch bewusst gegenwärtig und erzählt uns von einer größeren Wirklichkeit unter all den Veränderungen dieser Welt. Auch wenn kein Wassertropfen je derselbe ist, bleibt der Strom des Flusses über die Zeiten hinweg unverändert.
Dann zeigten uns die Flüsse, dass sie sowohl sanfte Strömungen in sich tragen, die das Licht widerspiegeln, als auch schäumende Strudel, die durch verborgen unter der Oberfläche liegende Felsen aufgewühlt werden. Diese Strömungen spiegeln die Energie in unserer eigenen Wirbelsäule wider. Wenn der Geist ruhig und nach innen gerichtet ist, fließt die Energie sanft nach oben zu höheren Zuständen des Bewusstseins. Doch wenn negative Gedankenmuster, Anhaftungen oder unter der Oberfläche liegende unbewusste Wünsche unseren Geist aufwühlen, geraten wir in turbulente Strudel.
Die Praxis der Meditation und des Kriya Yoga hilft dabei, diese unsichtbaren Felsbrocken zu lösen – alte Samskaras, jene karmischen Muster, die uns in der Täuschung gefangen halten. Nach und nach können wir durch beständige Praxis diese Blockaden in unserer Wirbelsäule auflösen, und ein beruhigender innerer Strom beginnt, ungehindert aufzusteigen.
Die Flüsse sprachen auch von ihrem unaufhörlichen Sich-Hingeben, durch das sie das Leben um sich herum nähren und unterstützen. Alle großen Flüsse – wie der Mississippi, der Ganges, der Amazonas und der Nil – haben das Leben auf den Kontinenten, durch die sie fließen, erhalten und auf vielfältige Weise ihre Zivilisationen geprägt. Doch leise, demütig und oft ungewürdigt lassen sie alle Formen des Lebens – ob würdig oder unwürdig – sich von dem Wasser nähren, das aus ihrer Brust fließt.
Was für eine wunderschöne Offenbarung der Liebe der Göttlichen Mutter!

Dann gibt es das leise Murmeln der Flüsse, das sich allmählich in den wiederhallenden Klang von AUM verwandelt – grenzenlos, alles durchdringend, ein Klang, der schließlich alle individuellen Formen in die eine göttliche Schwingung Gottes verschmelzen lässt. Und dies ist die letzte Botschaft des Flusses an uns: Am Ende verschmilzt alles mit dem unendlichen Meer des Gottesbewusstseins. Swami Kriyananda fasst all diese Botschaften in seinem Lied „Life Flows On like a River" zusammen:
Das Leben fließt wie ein Fluss dahin,
der Heim zum Meer treibt.
Einmal tanzt er durch ein Bergestal,
dann strömt er weit ins Land hinein.
Niemand kann am Weg verharren,
niemand hält die Stunden an.
Szenen wechseln, flüchtig wie im Traum,
lass los, nichts ist wirklich dein.
Klage nicht, du wärst allein,
geh nach innen, finde Heim.
Der Strom des Lebens erhält uns alle, bis wir schließlich unsere getrennte Existenz aufgeben und in den Frieden unserer größeren Wirklichkeit verschmelzen – unserer Heimat in Gott.
Lasst uns vorwärtsgehen zu jenem großen Ozean des Göttlichen Bewusstseins.
In Freude,
Nayaswami Devi




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