Der Mut, von Neuem zu beginnen
- Ananda

- 27. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Der letzte Sonntag war ein ereignisreicher Tag. Am Morgen haben Devi und ich den Ostergottesdienst geleitet. Und dann ist später an diesem Tag unser lieber Freund und langjähriges Ananda-Mitglied, Nayaswami Nakin, gestorben. Nakin war, wie so viele andere Ananda-Mitglieder, intelligent, hilfsbereit, von Freude erfüllt und von entzückender Sturheit. Er war immer bereit, JA! zu dem zu sagen, was auch immer man ihn fragte.
In diesem Fall war er bereit, „ja“ zum Verscheiden seines Körpers zu sagen, welches er nicht als Tod betrachtete, sondern als sein nächstes großes Abenteuer. Im Wissen, dass sein Ende herannahte, las er wieder und wieder das Kapitel in der Autobiographie eines Yogi, in welchem Sri Yukteswar die Astralebene im Detail beschreibt. „Ich will noch einiges studieren“, so Nakin, „damit ich bereit bin, wenn ich dort ankomme.“
Aber in diesem Blog soll es eigentlich gar nicht um Nakin gehen. Es geht um den Mut, neu anzufangen, wenn wir Verlust oder Veränderung erfahren – etwas, das wir alle regelmäßig erleben. Wir müssen hinter den Verlust schauen und die schwierigere spirituelle Frage stellen: Was macht eigentlich einen Neustart möglich?
Bevor wir einen Neustart machen können, müssen wir zutiefst akzeptieren, dass das, was wir hatten, nun nicht mehr da ist. Für manche Menschen bedeutet dies den Verlust eines Partners oder eines Elternteils. Für andere ist es der Verlust der Gesundheit oder der Jugend. Für andere wiederum ist es der Verlust der Hoffnung, weil die Lage der Welt oder die Politik dem, was sie wollen, entgegenwirken. Wir kennen viele Menschen, die der Vergangenheit so nachhängen, dass sie sich weder eine lohnenswerte Zukunft vorstellen können, noch vollkommen in der Gegenwart leben. Sie haben die Fähigkeit verloren, neu anzufangen.
Für uns als Devotees ist es von entscheidender Bedeutung, zu erkennen, dass alles – unser Schmerz eingeschlossen – einen höheren spirituellen Sinn hat. Wenn wir uns der Gnade Gottes und des Gurus öffnen, werden sie uns helfen, die alte Haut abzustreifen, sodass wir wachsen und uns weiterentwickeln können. Oft erfordert dies ein Opfer.

Devi und ich durchlebten eines der schwierigsten Jahre unseres Lebens, als wir halfen, die Arbeit von Ananda in Europa zu beginnen. Wir verbrachten den kältesten Winter seit einem Jahrhundert in einer nicht beheizten Sommervilla nahe des Comer Sees. Nicht nur das, sondern wir verbrachten viele Monate getrennt von unserem jungen Sohn, der in Amerika war. Als Swamiji später im Jahr wiederkehrte, sagte er liebevoll: „Ich weiß, dass dies eine schwierige Zeit für euch war, und das tut mir leid. Aber nichts Großes kann beginnen, ohne dass jemand tapasya – ein Opfer bringt.“
Die Kreuzigung von Jesu war das erforderliche Opfer, um eine neue Religion für die Welt ins Leben zu rufen. Meister sagte: „Jesus betrachtete sich selbst als Lösegeld für die Sünden Vieler.“ Aufgrund seiner göttlichen Kräfte hätte sein Körper niemals dem Tod durch Kreuzigung unterworfen werden können, wenn er nicht bereitwillig mit dem subtilen kosmischen Gesetz von Ursache und Wirkung zusammengewirkt hätte. So nahm er die Folgen des Karmas von anderen, insbesondere das seiner Jünger, auf sich. Auf diese Art und Weise wurden sie in höchstem Maße gereinigt und so darauf vorbereitet, das Bewusstsein der Allgegenwart zu erhalten, welches später auf sie herabkam.
Wahre Transformation beginnt damit, sich dem Willen Gottes hinzugeben. Wenn wir unseren individuellen freien Willen auf den von Weisheit geleiteten Willen Gottes und des Gurus einstellen, fließt eine große Kraft in uns ein und verleiht uns den Mut, von Neuem zu beginnen.
Lasst uns bereitwillig und freudig alles akzeptieren, was zu uns kommt – einschließlich Verlust – als ein Geschenk der Liebe Gottes.
In Freude (und Sturheit)
Nayaswami Jyotish




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