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Der Sprung des Vertrauens

17.07.2026


Von Zeit zu Zeit hört oder liest man etwas, das einen tiefen Eindruck hinterlässt. So ging es mir vor Kurzem, als ich mich wieder einmal mit einer Geschichte beschäftigte, die ich schon oft gelesen habe – eine der dramatischsten in der Autobiographie eines Yogi.


„Herr, Ihr müsst der große Babaji sein!“ Unbeschreibbare Ehrfurcht leuchtete aus den Augen des Mannes. „Monatelang habe ich ohne Unterlass auf diesen gefährlichen Felsen nach Euch gesucht. Ich bitte Euch flehentlich, mich als Euren Schüler anzunehmen.“ Als der große Guru ihm keine Antwort gab, deutete der Mann auf den gähnenden Abgrund hinter sich. „Wenn Ihr mich abweist, stürze ich mich von diesem Fels in die Tiefe. Das Leben hat keinen Sinn mehr für mich, wenn Ihr mich nicht auf meinem Weg zur Gottheit geleitet.“ „Dann springe“, sagte Babaji mit unbewegter Miene. „Ich kann dich in deinem gegenwärtigen Entwicklungsstadium nicht annehmen.“


Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, stürzte sich der Mann vom Felsen hinab. Da befahl Babaji seinen schockierten Schülern, den Leichnam des Fremden zu bergen. Als sie mit seinem zerschmetterten Körper zurückkehrten, legte der Meister seine Hand auf den Toten – und siehe da! Dieser öffnete die Augen und warf sich sodann demütig vor dem allmächtigen Guru nieder.


„Jetzt bist du so weit, mein Schüler zu werden“, sagte Babaji und schaute den auferstandenen Chela liebevoll an.


In der Vergangenheit las ich diese Geschichte als Beobachter. Ich staunte über Babajis Verhalten und über das darauffolgende Wunder. Dieses Mal habe ich sie als Beteiligter gelesen und mich in die Rolle dieses Mannes hineinversetzt. Glücklicherweise ist seine persönliche Geschichte unerzählt – es werden keine Details zu Alter, Nationalität oder Familienverhältnissen genannt –, was mir den Raum lässt, sie neu zu erleben, als wäre es meine eigene.



Um der Befreiung so nahe zu sein, dass ein Leben in der Welt keinen Wert mehr für ihn hatte, muss er – genau wie wir – viele Leben lang nach Gott gesucht haben. In diesem Leben muss er so erfolgreich gewesen sein, dass er scheiden konnte, ohne vor unerfüllten Wünschen zu fliehen oder vor Reue davonzulaufen.


Können nicht viele von uns sein Sehnen nachvollziehen – einen Zustand, in dem ein Leben ohne Gott uns nicht mehr interessiert und in dem unerfüllte Wünsche uns nicht mehr antreiben? Auch wenn wir den Punkt noch nicht erreicht haben, an dem wir bereit sind, den letzten Vertrauenssprung zu wagen, können wir diesen hohen Zustand zumindest am Horizont leuchten sehen. Wir spüren intuitiv, dass wir ihn – wenn wir es weiter versuchen – noch in dieser Inkarnation erreichen können, oder bevor viele weitere vergehen. Schließlich hat Swami Kriyananda uns gesagt, dass wir alle versuchen sollten, noch in diesem Leben Jivan Muktas zu werden.


Unser Sprung ins Vertrauen wird nicht von einer furchterregenden Felswand aus erfolgen, sondern indem wir durch das spirituelle Auge emporsteigen – hinein in ein Reich, in dem vom irdischen Ego nichts zurückbleibt außer einer zerschmetterten Erinnerung. Wir alle müssen diesen letzten Flug alleine wagen, aber glücklicherweise sind wir Teil einer Gemeinschaft von Freunden, die gemeinsam jenen spirituellen Höhen entgegenstreben.


Spürst nicht auch du die Sehnsucht nach jenem Zustand, in dem alle Wünsche von dir abfallen und du nichts mehr begehrst, als in Gottes Licht zu leben und Seinen Willen zu tun? Eines meiner liebsten Gebete aus Flüstern aus der Ewigkeit bezieht sich perfekt auf die Geschichte dieses Mannes – und auf unsere eigene.


„Ich weine in einer Wüste der Einsamkeit. Mit geschlossenen Augen habe ich lange an die Türen der Dunkelheit geklopft und gebetet, dass sie sich öffnen und Dein Licht offenbaren mögen. Mit einer Million durstiger Verlangen meines Herzens sehne ich mich nach Dir. Oh, wirst Du kommen?“


Nayaswami Jyotish

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